Vier Hundeführer der KJV Ravensburg bei der VSwP des Kurzhaar Club Württemberg e.V. erfolgreich / Klaus Fetscher mit DJT Visco vom Laubachtal am 23. Juni auch bei der 40 Stunden VSwP

 

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...die Chronologie einer Prüfung der Hexe vom Wildererstein06.04.2013Zurückgekommen von einer erfolgreich verlaufenen Jugendprüfung des Parson-Russell-Terrier-Club (ein Nachkomme meines Rüden mit vollen Punkten im 1. Preis) erreichte mich beim Grillen mit den Nachbarn der Anruf des Hundeobmanns der KJV RV Klaus Fetscher: „Wir haben vier Hunde zur Verbandschweißprüfung bei den DK gemeldet, deine Wachtelhündin Bärbel (Hexe vom Wildererstein) ist auch dabei!“Im Hinblick auf den Kalender und den Termin am 25. Mai war ich doch etwas skeptisch. Mir wurde jedoch mitgeteilt, dass ich aus dieser Nummer nicht herauskäme. Im Zeitfenster bis zum 1. Mai sah ich auch aufgrund fehlenden Schweißes (die letzten stillen Reserven wurden in Vorbereitung auf die EPB verbraucht) keinerlei Trainings- und Übungsmöglichkeiten. Das dünne Eis schwand immer mehr...1. Mai: beim Morgenansitz kein Anblick, zum Glück erlegte mein Sohn abends einen schwachen Knopfbock! Akribisch wurde jeder Tropfen Schweiß beim Aufbrechen der Sammelstelle zugeführt. 2. Mai: Tupfen der 1. Übungsfährte im Revier Baumann in Bodnegg. Die Fährte betrug auf Grund der sehr geringen Schweißmenge höchstens 350 Meter. 3. Mai: Abends – Ausarbeiten dieser Schweißfährte. Zum Glück hatte das Hundle seit der letzten Übungsfährten nichts verlernt und arbeitete diese aus wie auf Schienen. 4. Mai: Beim Morgenansitz an einer Rückegasse beschoss ich ein schwaches Schmalreh. Dieses zeichnete, sprang aber ab. Da die Weimaranerhündin (mit 20 und 40 Stunden) mit meinem Sohn unterwegs war, musste ich gezwungenermaßen die gemeldete DW-Hündin Hexe (Bärbele) vom Wildererstein zur Suche nehmen. Am Anschuss fand ich Knochensplitter. Wie sich später herausstellte, habe ich dem Schmalreh einen hohen Laufschuss angetragen. Nach einer langen Riemenarbeit schnallte ich vor einer endlos erscheinenden Tannennaturverjüngung die Hündin. Nach Hetzlaut und Klagen des Rehs konnte ich die Hündin am niedergezogenen und abgetanen Reh wieder anleinen. Also ideale Voraussetzungen für die bevorstehende Schweißprüfung...5. Mai: Sonntag – Anruf meiner österreichischen Freunde: Die Auerhahnbalz sei im vollen Gange – man erwarte mich vom 9. bis 12. Mai! Demzufolge wieder keine Übungsfährte über das lange Wochenende...13. Mai: Erlegung eines Jährlingsbockes und Gewinnung von Übungsschweiß – Verwendung desselben am 17. Mai im Revier Steinental – auch dieses Mal musste das Ende der Fährte ca. 250 m vor Erreichen der 1.000 m beendet sein ...18. Mai: 17:00 Uhr Arbeiten der Übungsfährte unter Anleitung und Beobachtung des Hundeobmanns und Terrierrichters Klaus Fetscher und des DW-Verbandsrichters Edwin Fetscher. Auch diese Fährte wurde vom Bärbele souverän gearbeitet. Meine Bedenken konnten auch durch das positive Zureden der beiden Richter nicht gänzlich zerstreut werden!19. Mai: Sonntag – mein Geburtstag: Keine Zeit für eine Übung20. Mai (Hochzeitstag): Nach der Phase der Rekonvaleszenz des vorangegangen Tages gemütlicher Spaziergang in einem Feldanteil des Reviers. Nach etwa einer halben Stunde entdeckten unsere Terrier im Gebüsch einen Geheckbau. Der 1. Jungfuchs war zeitnah gesprengt und wurde durch die W-Hündin abgetan. Die auf die Prüfung Gemeldete fing in Terriermanier an, am Bau zu graben und riss sich dabei eine Kralle an der Vorderbrante aus. (Es kamen noch zwei weitere Jungfüchse zur Strecke)21. Mai: Dienstag: 11:00 Uhr – Eingang einer SMS „Bin mit dem Hund beim Tierarzt – Vollnarkose und Ohrenreinigung wegen gestern! Alles voller Dreck!“ 24. Mai: Freitag: „Vorbesprechung“ zur Prüfung am nächsten Tag: Meine persönliche Stimmung war nicht unbedingt auf dem Siedepunkt.Samstag 25. Mai: Hohes Wecken um 04:00 Uhr. Nach Einnahme eines Kaffees und Konsum mehrerer Zigaretten – Abfahrt nach Echterdingen.07:10 Uhr: Treffpunkt mit den drei anderen Hundeführern der KJV RV Rainer Spöcker, Klaus und Edwin Fetscher. Die ansonsten sehr gesprächigen Rüdemänner waren allesamt sehr wortkarg und in sich gekehrt, fast schon verschlossen. Im Konvoi fuhren wir die letzten Kilometer zum Treffpunkt, ins Vereinsheim des Schäferhundevereins. Eine perfekt organisierte und bestens gelaunte Prüfungsleiterin erwartete dort die sechs zur Prüfung angetretenen Gespanne. Nach Überprüfung der Unterlagen wurden die Fährten der beiden Gruppen verlost. Ich wusste nicht, ob es ein Fluch oder Segen war, die Fährte Zwei in der Gruppe Zwei zu ziehen. Im Revier angekommen wurden die beiden ersten Gespanne von den Richtern zu den Anschüssen begleitet. Für uns vier wartenden Hundeführer begann eine schier endlos scheinende Zeit des unsteten Herumirrens auf dem Parkplatz. Glücklicherweise zeigte sich die Sonne gnädig und blinzelte immer stärker durch die Baumwipfel. Dies ließ unsere Hoffnung auf Duftentfaltung immer mehr steigen. Nach 1,5 Stunden endlich kam das erste Gespann der Gruppe Zwei zurück – ein Bruch zierte den Hut des Wachtelführers! Das gab uns Wartenden einen gehörigen Motivationsschub.Jetzt musste das Bärbele ran! Auf der Fahrt zur Fährte wurde das beklemmende Gefühl (vergleichbar mit dem Zustand einer Klaustrophobie, den ich erleide, wenn ich mich in einen überbesetzten Waggon einer S-Bahn bewegen muss) immer größer. Ich bin mir heute noch sicher, dass ich im Falle eines Messereinsatzes an meinem Körper keinen Tropfen Blut gegeben hätte...Nachdem mich der Richterobmann vor dem Anschuss fragte, ob ich die Fährte arbeiten wolle, legte ich meine mit dem Nachsuchengeschirr ausgestattete Hündin ab und untersuchte den Anschuss. Die Fluchtrichtung wurde mir vorgegeben, ich setzte die Hündin an, sie nahm in ihrer ruhigen, fast schon professorenhaften Art die Fährte an und marschierte anfänglich einer Verleitfährte jedoch in einer ganz andere Richtung nach! Zum Glück war die „Fluchtrichtung“ klar vorgegeben und ich konnte Madame entsprechend einnorden. Nachdem der an die anfängliche Buchenverjüngung angeschlossene Hochwald gemeistert wurde führte mich die Hündin auf eine weitere Naturverjüngung, welche sich wie eine feste Wand vor mir zeigte. „Die werden gestern doch wohl nicht durch dieses Gestrüpp die Prüfungfährte getupft haben ...“ schoss es mir durch den Kopf. Solche Aktionen haben wir bei unseren Übungsfährten noch nie gemacht. Fieberhaft versuchte ich auf dem Boden irgendeine Spur der Richter oder sogar idealerweise etwas Schweiß zu finden – der starke Regen hatte jedoch sämtliche Indizien beseitigt. Im Zweifel hat der Hund immer Recht, dachte ich mir und folgte, den Hund lesend, fast willenlos dem sich ca. 8 Meter vor mir bewegenden Untergrund. Aus dem Gestrüpp herausgekommen, rief ich die Hündin zu mir, setzte mich neben sie und gab ihr und mir zur Stärkung ein weiteres Stück Traubenzucker. Da mich die Richter bis dahin noch nicht abgerufen hatten, ging ich davon aus, dass wir schon richtig gesucht haben. Weiter ging es durch einen Laubwaldbereich mit mehreren Stellen, an welchen das hier stark vorhandene Schwarzwild gebrochen hat. Auch den in Folge überquerten Waldweg meisterte mein Bärbele souverän. Nach ca. 200 Metern traute ich meinen Augen nicht – eine riesige Dachsburg mit unzähligen Röhren und frisch ausgeschobenen Rinnen versperrte mir den Weg. Unbeirrt steuerte mein Hund genau diese an und ich dachte an den Pfingstmontag, den Geheckbau und die Raubwildschärfe der Hündin...Nachdem jede Röhre auf das Vorhandensein von Füchsen untersucht wurde, arbeitete sie zielstrebig die Kunstfährte weiter. Jetzt konnte doch zu den 1000 Metern nicht mehr viel fehlen! Parallel zu einem weiteren Waldweg buchstabierte mein Hund durch einen Reisigschlag die weiter aus und nach ca. 150 Metern hob sie das Haupt in den Wind. Ich war mir sicher, dass sie das Reh am Ende der Fährte schon in der Nase hatte. Genauso war es auch ... nach weiteren 100 Metern sah ich es auch am Ende der Fährte liegen! Und wieder zeigte sich, dass ein Viertelliter Rehschweiß, auf einen Kilometer getupft, mindestens 20 Stunden gelegen, dem Regen, dem Schwarzwild, sehr vielen Verleitfährten und vor Allem den Nerven des Führers ausgesetzt von einem Hund sehr viel abverlangt! Umso schöner ist es, wenn dann von den gemeldeten 6 Gespannen nicht nur alle angetreten sind, sondern auch alle in den Preisen waren!Bei der anschließenden Preisverteilung im Sportheim wurden in lockerer Atmosphäre die Einzelheiten der einzelnen Suchen durchgesprochen und 2 „Vorfälle“ fanden doch noch ein gutes Ende und verdienen es, schlussendlich erwähnt zu werden:1.  Während der Schweißarbeit des DJT von Rainer Spöcker wurden 2 Überläufer, welche sich auf der Fährte ausgeruht haben, hochgemacht und2.  Der DW von Edwin Fetscher nutzte in einer klitzekleinen Situation der Unachtsamkeit des Führers die Gelegenheit und entriss ihm den Riemen und ging erfolgreich zum Stöbern über! Obwohl er eine Rotte fand und auch erfolgreich sprengte (das Leistungszeichen „S“ hat dieser Rüde bereits), fand er sich kurze Zeit später wieder bei seinem Führer ein und arbeitete die Fährte auch erfolgreich bis zum Ende aus!Eine konzentrierte und perfekte Arbeit von beiden im Stöbern perfekt eingearbeiteten Hunden!Ein riesengroßes Dankeschön an den Württembergischen Kurzhaarklub e.V. für die professionelle und souveräne Organisation und Ausrichtung der Prüfung, den Pächtern Gregor Welzenbach sowie Christian und Werner Auch-Schwarz für die gepflegten Reviere, allen Richtern und Richteranwärtern für die sehr faire und äußerst angenehme Atmosphäre bei der Schweißarbeit und Bewertung derselben im Namen aller Prüfungsteilnehmer!Alexander Geßler